Laura Messerer (Universität Mannheim)

„Nach meinem Master war für mich klar, dass ich promovieren möchte.“

Ein Interview mit Laura Messerer

Geführt von Simon Steiger

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Laura Messerer hat ihren Bachelor im Fach Psychologie an der Universität Ulm sowie ihren Master in empirischer Bildungsforschung und pädagogischer Psychologie an der Universität Tübingen absolviert. Schon in ihrem Studium hat sie sich mit pädagogischer Psychologie im Hochschulkontext beschäftigt. Diesem Interesse geht sie aktuell in ihrer Promotion weiter nach.  Aktuell arbeitet sie daher u.a. im Projekt  „sMArt²“. Im Projekt beschäftigt sie sich unter anderem mit Studienwahlmotivation und Studienanforderungen.

 

Hallo und herzlich Willkommen zu unserem Interview für die Reihe „Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen“ von WUMAN. Wir freuen uns sehr, heute hier sein zu dürfen und würden Sie bitten, sich zu Beginn in wenigen Sätzen kurz vorzustellen.

Vielen Dank. Mein Name ist Laura Messerer und ich bin akademische Mitarbeiterin und Doktorandin am Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie hier an der Universität Mannheim. Ich habe Psychologie im Bachelor studiert und den Master in Empirische Bildungsforschung und Pädagogische Psychologie gemacht.

Hier arbeite ich jetzt im Forschungsprojekt sMArt² unter der Leitung von Dr. Stefan Janke. In Teilprojekt 1, in dem ich tätig bin, geht es darum eine Online-Self-Assessment für Studieninteressierte zu entwickeln. Dieses soll den Studieninteressierten helfen ihre Studienwahl zu reflektieren. Dadurch wollen wir dazu beitragen, dass die Studieninteressieren sich für ein Studium entscheiden, welches ihren Interessen entspricht. Da mangelndes Interesse ein Hauptgrund für Studienabbruch ist, soll dieses Verfahren helfen, die Abbruchquote zu reduzieren. Gleichzeitig sollen die Studienzufriedenheit und die Motivation für das Studium erhöht werden.

Was sind Ihre Forschungsinteressen?

Allgemein interessieren mich Fragestellungen der Pädagogischen Psychologie im Kontext der Universität. Ich bin der Ansicht, dass es auch über die Schulzeit hinaus relevant ist, sich über pädagogische Aspekte der Lehre Gedanken zu machen.

Mein spezielles Forschungsinteresse, welchem ich auch im Rahmen des Projekts nachgehe, ist zum einen die Passung zwischen Interessensprofilen von Studierenden und Studienfächern und den Auswirkungen von (fehlender) Passung auf den Studienverlauf. Zudem beschäftige ich mich mit Studienwahlmotivation und wie sich diese auf die Studienzufriedenheit, Studienabbruch und die Studienleistungen auswirkt.

Außerdem finde ich den Einfluss von impliziten Willenskrafttheorien auf das Lernverhalten von Studierenden spannend. Mit diesem Thema habe ich mich bereits in meiner Masterarbeit beschäftigt und Hinweise darauf gefunden, dass Studierende, die davon ausgehen, dass ihre Fähigkeit Selbstkontrolle auszuführen begrenzt ist, beim Lernen schneller die Motivation verlieren.

Wie sind Sie zu Mannheim gekommen?

Nach meinem Master war für mich klar, dass ich promovieren möchte und ich habe mir verschiedene Stellenausschreibungen angesehen. Als ich die Ausschreibung für diese Stelle gesehen habe, war ich direkt begeistert, von dem Projekt zu Studienwahlmotivation. Die Kombination zwischen Forschung einerseits und praktische Anwendbarkeit andererseits hat mich gereizt. Im Bewerbungsgespräch wurde dann klar, dass die Vorstellungen der Projektleitung mit meinen zusammenpassen. Als mir die Stelle angeboten wurde habe ich dann sehr gerne zugesagt und bin immer noch sehr zufrieden mit der Entscheidung.

Wie finden Sie der Beginn der Promotion?

Was mir besonders gut gefällt ist, dass ich in dieser Stelle vieles von dem Wissen, welches ich in meinem Bachelor und vor allem im Master erworben habe hier einsetzen kann. Gleichzeitig bieten die Arbeit im Projekt aber auch viele neue Tätigkeitsfelder und Herausforderungen. Zum Beispiel erfordert die Arbeit im Projekt den Kontakt mit verschiedenen anderen Stellen an der Universität. Außerdem bedeutet die Arbeit im Projekt auch viel Eigenverantwortung und Eigeninitiative und eigenen Ideen sind gefragt, wenn es um die konkrete Ausgestaltung des Projekts geht. Auch wenn der Rahmen vorgegeben ist, so ist trotzdem an vielen Stellen Spielraum und Platz den eigenen Forschungsinteressen nachzugehen und auch beim Promotionsthema kann ich eigene Schwerpunkte setzen. Insgesamt gefällt es mir gut über einen längeren Zeitraum in einem festen Team ein Projekt durchzuführen. Der Austausch mit den anderen Mitgliedern des Projektteams über die Forschungsfragen, Ideen und auch Probleme hilft dabei, das Projekt noch besser zu gestalten. Zum Projektteam gehören auch zwei wissenschaftliche Hilfskräfte, für die ich verantwortlich bin und deren Aufgaben ich koordiniere. Ich finde es schön in einem Projekt zu arbeiten in dem ich einerseits theoretische Fragestellungen beantworte, aber auch praktisch und konkret Einfluss nehmen kann und im besten Fall dazu beitrage, dass Studieninteressierte die richtige Studienwahl treffen und erfolgreich und motiviert studieren

Belinda Merkle (Universität Mannheim)

Belinda Merkle war Gast bei WUMAN und hat mit Lea Flacke über ihr Promotionsprojekt gesprochen.

Belinda hat sowohl ihren Bachelor als auch Master in Psychologie an der Universität Mannheim abgeschlossen. Schon während ihrem Masterstudium entwickelte sie ihr Interesse für Forschung. Seitdem forscht Belinda u.a. in den Bereichen Positive Psychologie, (Positive) Interventionen und Wohlbefinden im pädagogischen Kontext. Darüber hinaus arbeitet sie an einem Projekt, welches sich mit der Passung Studierende-Studienfach und dem Studienerfolg (Studienleistung, und -zufriedenheit) auseinandersetzt. Neben ihrer Promotion ist sie außerdem noch sehr aktives Mitglied bei WUMAN.

Das spannende Interview mit ihr könnt ihr hier ansehen:

 

 

 

 

Jasmin Zalonis (Universität Mannheim)

„Ich bin noch nicht bereit, dieses permanente Lernen von neuen Sachen und das Forschen aufzugeben!“

Ein Interview mit Jasmin Zalonis

Geführt von Sarah Gina Febriana

Foto Frau Zalonis

Jasmin Zalonis ist aktuell in Elternzeit und promoviert an der Universität Mannheim aim Bereich Informatik. Im Interview mit WUMAN spricht sie vor allem über den Weg zur Entscheidung für eine Promotion.

Sarah Gina Febriana: Willkommen zu unserem Interview für das Projekt „Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen“ von WUMAN. Wir freuen uns, dass Sie an unserem Interview teilnehmen und dass andere Wissenschaftler*innen Sie und Ihre Forschung und Ihre Projekte besser kennenlernen können.

Jasmin Zalonis: Danke, dass ich hier sein darf.

S. G. F.: Zu Beginn des Interviews würden wir Sie gerne erst einmal kennenlernen. Können Sie sich kurz selbst vorstellen?

J. Z.: Ja, gerne. Ich heiße Jasmin Zalonis, bin jetzt 25 Jahre alt und habe vor kurzem mein Studium abgeschlossen. Ich arbeite jetzt hier an der Universität Mannheim.

S. G. F.: Könnten Sie uns bitte Ihren Werdegang erzählen?

J. Z.: Also ich habe ursprünglich nach meiner Schulausbildung ein Lehramtsstudium angefangen mit Mathematik und Philosophie, aber ich habe dann schnell gemerkt, dass die Schule vielleicht doch nicht ganz so das richtige für mich sein könnte. Deswegen habe ich noch zusätzlich angefangen, Informatik zu studieren, auch auf Lehramt, damit ich hier an der Universität Mannheim bleiben konnte. Jetzt habe ich mein Staatsexamensstudium dieses Jahr in allen drei Fächern abgeschlossen und bin tatsächlich an dem Informatik-Lehrstuhl hängen geblieben, also ein bisschen weg von der Philosophie gekommen.

S. G. F.: Sie haben gesagt, dass Sie drei Fächer studiert haben. Was war denn das dritte Fach?

J. Z.: Ja, genau, also Mathematik, Philosophie und Informatik, wobei ich Informatik ungefähr 3 Jahre später angefangen habe zu studieren als die anderen Fächer. Aber dafür dann ein bisschen im Schnellverfahren.

S. G. F.: Das klingt sehr spannend. Also befinden Sie sich jetzt in der Anfangsphase der Promotion?

J. Z.: Genau, also ich habe Mitte Juni angefangen zu promovieren, weil ich meinen Abschluss erst Mitte Juni hatte. Jetzt bin ich quasi schon wieder raus, in familiärer Pause sozusagen. Deswegen war ich in den letzten 2,5 Monaten in der beginnenden Findungsphase eines Themas, welche jetzt natürlich noch nicht abgeschlossen ist. Das werde ich dann nach der Elternzeit wiederbeginnen.

S. G. F.: Wir interessieren uns besonders für die Anfangsphase. Viele empfinden sie oft als schwierig, aber wie finden Sie denn diesen Start?

J. Z.: Ich habe auch das Gefühl, dass sich viele damit schwertun. Ich hatte ursprünglich geplant, eine Projektstelle zu haben. Dann wäre die Startphase einfacher gewesen, weil man ein Thema hat, was man einfach bearbeiten muss. Daraus ist dann leider nichts geworden; das kann jetzt Vorteil oder Nachteil sein, weil ich jetzt Fluch und Segen zu gleich habe, mir aus dem kompletten Bereich irgendein Thema auszusuchen. Das ist natürlich einerseits schön, weil man machen kann, was man möchte, andererseits ist es aber auch extrem schwer ein Thema zu finden, aus dem man einfach eine gute Promotion machen kann und was einen die nächsten paar Jahre interessiert. In dieser Schwierigkeit stecke ich gerade noch.

S. G. F.: Spannend. Zu welchem Zeitpunkt in Ihrem Leben haben Sie sich zu einer Karriere in der Forschung entschieden?

J. Z.: Das kam eigentlich alles durch mein Lehramtsstudium, weil ich gemerkt habe, dass ich nicht an einer Schule arbeiten möchte. Da unsere Universität relativ klein ist und ich in der Fachschaft aktiv war, hatte ich immer schon recht viel Kontakt zu den Professoren. Dadurch bin ich immer wieder ins Gespräch mit dem Professor, bei dem ich jetzt auch arbeite, gekommen. Die endgültige Entscheidung habe ich dann erst ein Jahr vor dem Abschluss getroffen, so nach dem Motto „okay, an die Schule will ich nicht“ und ich bin noch nicht bereit, dieses permanente Lernen von neuen Sachen und das Forschen aufzugeben. Außerdem wusste ich auch ehrlich gesagt nicht, was ich statt der Schule machen möchte. Da dachte ich mir, dass ich einfach noch ein bisschen an der Uni bleibe und mal schaue, was sich daraus ergibt.

S. G. F.: Okay, und unsere letzte Frage wäre: Wie finden Sie denn Ihre Arbeit als eine der aktuell noch wenigen Frauen in diesem Bereich?

J. Z.: Ich muss sagen, dass ich jetzt keinen großen Unterschied an der Universität merke. In meinem Studium waren die Anteile an Frauen verschieden. In dem Philosophiestudium liegt der Hauptanteil bei Frauen, in Mathematik ist es recht ausgeglichen und in Informatik gibt es sehr wenige Frauen. Aber ich muss sagen, dass ich aktuell noch keine richtigen Nachteile oder Probleme gemerkt habe. Das einzige, was ich jetzt gemerkt habe, ist, dass noch nicht so viel Wissen am Informatikinstitut über das Thema Mutterschutz und Elternzeit, was bei mir ja aktuell aufkommt, vorhanden ist. Aber ich denke auch, dass das nicht nur in der Informatik so ist. Vermutlich liegt es auch mit daran, dass ich eine der ersten bin und das das macht es etwas schwierig, wobei das mehr die Verwaltungssache ist. Es war ein bisschen schwierig, alle Informationen herauszubekommen, weil es einfach wenig Erfahrungswerte gibt. Aber ich könnte mir vorstellen, dass das ein generelles Problem an der Universität ist, weil viele erst später Kinder bekommen. Aber ansonsten hatte ich noch nicht das Gefühl, großartig anders behandelt zu werden als Frau, aber ich bin auch noch am Anfang. Das einzige, aber das war auch mehr im Studium, ist eine Frauenquote in gewissen Gremien. Dadurch wird man öfter zu Treffen gefragt. Aber das war auch eher aus dem Studium als jetzt in der kurzen Zeit hier.

S. G. F.: Ja, das kann passieren. Das war unser Interview. Wir danken Ihnen nochmal für das spannende Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft.

J. Z.: Vielen Dank!

Anne Lauscher (Universität Mannheim)

Das heutige Interview führte Hanna Weiß für WUMAN mit Anne Lauscher.

Foto Anne Lauscher

Anne Lauscher ist Doktorandin an der Fakultät für Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsmathematik bei Prof. Simone Paolo Ponzetto und Prof. Goran Glavaš. Sie arbeitet  an neuronalen Methoden zum Verständnis natürlicher Sprache und spricht im Interview über die zwei Hauptthemen ihrer Forschung (Argument Mining und Sprachrepräsentationen) und über ihren Werdegang.

Ihr Interview könnt ihr hier anhören:

 

Julia Wildgans (Universität Mannheim)

Im aktuellen Podcast spricht Hanna Weiß für WUMAN mit Julia Wildgans.

Frau Wildgans Foto 4_zuschnitt

Julia Wildgans ist Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Recht des geistigen Eigentums sowie deutsches und europäisches Verfahrensrecht an der Universität Mannheim und promoviert dort im Bereich des Wissenschaftsurheberrechts. Im Interview erzählt sie uns etwas mehr über ihre Promotion, aber auch über ihr Fellowship im Fellow-Programm Freies Wissen.

Prof. Dr. Carmela Aprea (Universität Mannheim)

„Es ist ein Thema, was den Studierenden auch unter den Nägeln brennt, weil es eine hohe Alltagsrelevanz hat.“

Ein Interview mit Professorin Carmela Aprea

Geführt von Hanna Weiß

Prof. Dr. Carmela Aprea ist seit dem Frühjahrssemester 2018 Inhaberin des Lehr­stuhls für Wirtschafts­pädagogik – Design und Evaluation instruktionaler Systeme an der Universität Mannheim. Im WUMAN-Interview spricht sie mit Hanna Weiß über ihre Forschungsinteressen und -schwerpunkte an ihrem Lehrstuhl und zeigt auf wie spannend und anwendbar die Forschung ihrer Arbeitsgruppe ist.

 

Foto Frau Aprea

 

Bevor Carmela Aprea ihren Lehrstuhl an der Universität Mannheim übernommen hat war sie Professorin für Wirtschafts­pädagogik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (04/2015-01/2018) sowie Professorin für Berufsbildungs­forschung am Eidgenössischen Hochschul­institut für Berufsbildung in Lugano (05/2010-02/2015). Neben einer Gastprofessur in Innsbruck arbeitet sie auch international in Forschung und Lehre  (u.a. in Graz und Stockholm).

 

Hanna Weiß: Hallo und guten Tag! Wir sind heute hier bei Frau Professorin Carmela Aprea für die Interviewreihe „Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen“ von WUMAN, um für mehr Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen an der Universität Mannheim zu sorgen. Wir freuen uns, dass wir hier sein dürfen und heißen Sie nochmal herzlich Willkommen. Vielleicht könnten Sie sich zu Beginn einmal in einigen Sätzen kurz selbst vorstellen?

Carmela Aprea: Ja, vielen Dank für die Einladung. Mein Name ist Carmela Aprea, ich bin seit Februar 2018 hier an der Universität Mannheim Professorin für Wirtschaftspädagogik und mein Lehrstuhl heißt „Design und Evaluation instruktionaler Systeme“.

H.W.: Und worin liegen Ihre Forschungsinteressen?

C.A.: Meine Forschungsinteressen liegen vor allem in der ökonomischen Bildung und hier vor allem im Bereich der Finanzbildung, das betrifft alle Fragen, die sich mit den eigenen, privaten Finanzen beschäftigen. Ich interessiere mich nicht nur für Personen, die im Finanzwesen arbeiten, sondern auch für jeden Mann und jede Frau. Zu meinem Forschungsgebiet gehören aber auch Themen, die sich auf gesamtwirtschaftliche und sozialen Prozesse beziehen, , wie zum Beispiel das Wissen darüber, wie das Finanzsystem gesellschaftliche Prozesse beeinflusst.

H.W.: Sehr spannend. Was sind denn aktuelle Projekte, an denen Sie arbeiten und warum finden Sie Ihre Forschung so wichtig?

C.A.: Ein Forschungsprojekt, was ich gerne vorstellen möchte, beschäftigt sich mit der Frage der sozialen Ungleichheit und wie man lernt, über soziale Ungleichheit zu reflektieren und zu argumentieren, jenseits von Fake News oder auch jenseits von Stammtischparolen. Da gibt es eine Reihe von zentralen Themen, die auch Finanzfragen zum Gegenstand haben, zum Beispiel die Frage des bedingungslosen Grundeinkommens oder das Wohnungsproblem. Oder auch Fragen zur Erbschaftssteuer, und inwiefern das gerecht oder nicht gerecht ist bzw. inwiefern da soziale Gleichheit oder soziale Ungleichheit besteht. Dabei interessiert mich auch, wie man das Problem aus ökonomischer Sicht, aus soziologischer Sicht, aus moralischer Sicht oder auch unter Praktikabilitätsgesichtspunkten sehen kann. Das treibt mich um und auch die Frage, wie man lernt, hier gut zu argumentieren. Meine Zielgruppe sind auch Personen, die in lehrenden Berufen tätig sind, das heißt, sie müssen nicht nur lernen selbst zu argumentieren, sondern sie müssen auch lernen, es anderen beizubringen. Dieses Projekt ist ein Teil meiner Forschungsarbeit. Mein Team und ich sind sehr begeistert dabei und ich habe den Eindruck, dass es auch bei Studierenden auf offene Ohren trifft. Es ist ein Thema, was den Studierenden auch unter den Nägeln brennt, weil es eine hohe Alltagsrelevanz hat. Zu zeigen, dass ökonomische Sachverhalte Relevanz für den Alltag haben, ist etwas, was mir an meiner Forschung sehr wichtig ist. Wenn jemand nicht alle Details der Physik versteht, kann er trotzdem einen Stromschalter benutzen; aber wenn jemand viele Aspekte der Ökonomie nicht versteht, dann kann er zum einen seine eigenen ökonomischen Angelegenheiten schlechter regeln und zum anderen auch als Wähler*in und als politisches Wesen schlechter agieren, weil die Zusammenhänge verstanden werden müssen. Deswegen erachte ich die Forschung als so wichtig.

Ein zweites Projekt, mit dem ich mich befasse, beschäftigt sich mit der langfristigen Finanzentscheidung und hier vor allem mit dem Thema der Altersvorsorge. Ich betrachte dabei zum Beispiel, was Bürgerinnen und Bürger verschiedener Altersgruppen über das Thema der Altersvorsorge und das Rentensystem wissen und wie gut sie die Entscheidungen, die auf sie zukommen werden, verstehen. Dazu gehört dann auch das Verständnis über die Einbettung der Entscheidungen in das gesamte Rentensystem. Vor allem interessiert mich, ob die Bürger*innen verstehen, die von welchen Faktoren die Rente beeinflusst wird. Das hängt auch wieder mit Finanzfragen zusammen.

Das ist eben auch ein Thema, was zentral ist, um eine gewisse Gerechtigkeit zwischen den Generationen herbeizuführen und Generationenkonflikte zu vermeiden. Aber auch hier hat das für den Einzelnen und die Einzelne Relevanz im Alltagsleben. Das mag gerade für jüngere Menschen nicht so offensichtlich sein, wenn sie sich vorstellen müssen, was in 40 Jahren einmal sein wird. Aber gerade in jungen Jahren hat man noch Möglichkeiten an Stellschrauben zu drehen und für das Alter anzusparen. Da die staatliche Sicherung der Rente auch durch den demographischen Wandel geringer werden wird, muss man sich überlegen, wie man das Problem auffängt, damit man im Alter einen guten Lebensstandard weiterverfolgen kann. Da ist es für uns erstmal wichtig, herauszufinden, was die Menschen wissen oder auch eben nicht, um darauf aufbauend entsprechende Lernarrangements in der Universität und an Schulen gestalten zu können und auch Empfehlungen für die Lehrer*innenbildung geben zu können.

H.W.: Das klingt ja alles sehr interessant. Warum finden Sie Ihren Arbeitsalltag denn so spannend?

C.A.: Zum einen macht mir die Arbeit mit den Studierenden und mit meinem Team sehr viel Spaß; zum anderen ist aber auch die thematische Ausrichtung sehr spannend, weil alle Themen eine hohe Relevanz für den Alltag und die aktuellen politischen Diskussionen haben. Weiterhin sind das Themen, bei denen man nie auslernt. Mir macht es sehr viel Freude, ökonomische Grundideen und auch ökonomische Kontroversen aufzugreifen und sie so sichtbar zu machen, dass klar wird, warum sie benötigt werden. Die Herausforderung dabei ist natürlich, dass es komplexe Themen sind, die viel Wissen erfordern, welches nicht immer da sein kann. Aber trotzdem sollte sich jede*r damit soweit auskennen, dass man sich in der Welt, in der man lebt, orientieren kann. So ziemlich jeder Bereich des täglichen Lebens beinhaltet ökonomische Fragen und es lassen sich viele Anknüpfungspunkte finden.

H.W.: Was ist Ihre größte Motivation zur Arbeit zu kommen?

C.A.: Die größte Motivation für mich ist es, jeden Tag mit interessanten Menschen zu tun zu haben und spannende Themen zu behandeln.

H.W.: Dann danke ich für das spannende Gespräch und dass sie an unserem Projekt teilgenommen haben. Wir wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft und für Ihre Projekte.

C.A.: Danke Ihnen auch für das angenehme Gespräch!

 

Mona Salwender (Universität Mannheim)

Mona Salwender, übrigens auch eine sehr aktive WUMANianerin, ist Gast des heutigen Podcasts.

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Mona Salwender promoviert aktuell am Lehrstuhl für Sozialpsychologie der Universität Mannheim. Sie ist Mannheim eine treue Seele und hat hier auch schon sowohl ihren Bachelor als auch Masterabschluss im Fach Psychologie abgeschlossen. Im Rahmen ihrer jetzigen Forschungstätigkeit interessiert sie sich insbesondere für Fragestellungen in den Bereichen Führung, Stereotype und Diversität. Im Interview berichtet Mona unter anderem wieso sie jeden Tag gerne zur Arbeit geht.

 

Sophie Scharf (Universität Mannheim)

Sophie Scharf , Doktorandin an der Universität Mannheim, spricht mit Sarah Gina Febriana im Interview für WUMAN u.a. über ihr Promotionsprojekt.

Sophie Scharf hat sowohl ihren B.Sc. in Psychologie als auch ihren Masterabschluss in Mannheim absolviert. Während eines Auslandssemesters machte sie Station an der Appalachian State University, North Carolina, USA. Aktuell promoviert sie in Mannheim im Rahmen des CDSS Programms der GESS und forscht in diesem Zusammenhang zur mathematischen Modellierung von Urteils- und Entscheidungsprozessen sowie in der Anwendung von Prozessverfolgungsmethoden in der Urteils- und Entscheidungsforschung.

 

 

Cosima Meyer (Universität Mannheim)

„Konflikterfahrung in Kombination mit einer Frauenquote kann dazu führen, dass die Frauen länger an der Macht bleiben.“

Ein Interview mit Cosima Meyer

geführt von Sarah Gina Febriana

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Cosima Meyer (Bachelor und Master in Politikwissenschaft) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Politische Wissenschaft IV an der Universität Mannheim und in der “Data and Methods Unit” des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung. Sie promoviert an der Universität Mannheim in der quantitativen Konfliktforschung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf der Nachkriegsstabilität, der Rolle von Frauen in Nachkriegsländern und der Kooperation von Autokratien. Darüber hinaus engagiert sie sich ehrenamtlich für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an der Universität Mannheim und für die Förderung und Vernetzung von Frauen in der Wissenschaft. Im Interview gibt sie WUMAN Einblicke in ihre spannenden und vielfältigen Projekte.

 

Sarah Gina Febriana: Herzlich Willkommen zu unserem Interview für das Projekt WUMAN. Wir freuen uns sehr, dass Sie teilnehmen und dass wir und andere Wissenschaftler*innen, die Möglichkeit erhalten, Sie und Ihre Forschung ein bisschen besser kennenzulernen. Als erstes würde ich Sie bitten, sich in einigen Sätzen selbst vorzustellen.

Cosima Meyer: Danke für die Einladung. Ich heiße Cosima Meyer und bin Doktorandin in der Politikwissenschaft. Mein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der Konfliktforschung. Zur Analyse meiner Forschungsfragen nutze ich Methoden aus dem Bereich Computational Social Sciences – der Verbindung von Sozialwissenschaften und Datenanalyse. Gleichzeitig lehre ich an der Universität Mannheim an der sozialwissenschaftlichen Fakultät, genauer am Lehrstuhl für Politische Wissenschaft/Internationale Beziehungen in meinem Forschungsschwerpunkt und quantitativen Methoden. Ich unterrichte dabei also nicht nur inhaltliche Seminare sondern auch statistische Übungen, um so eine Brücke zwischen statistischen Methoden und der Konfliktforschung zu bauen.

S.G. F.: Und was sind dabei Ihre Forschungsinteressen?

C. M.: In der Forschung finde ich besonders die Konfliktforschung und die Transformationsforschung interessant. Zum Beispiel untersuche ich, wann und wieso Länder nach Bürgerkriegen stabil bleiben und nicht wieder zurück in einen Konflikt fallen. Dabei lege ich einen besonderen Fokus auf Leadership survival. Das bedeutet, dass ich untersuche, ob und unter welchen Umständen Staatsoberhäupter an der Macht bleiben. In der Transformationsforschung betrachtet man die Autokratisierung und Demokratisierung von Ländern. Gerade nach Konflikten ist die politische Transformation eines Landes sehr spannend. Ich untersuche hier zum Beispiel die Autokratisierung von Ländern und unter welchen Umständen Autokratien miteinander kooperieren.

S. G. F.: Sehr spannend. Und was sind Ihre aktuellen Projekte?

C. M.: Zur Zeit arbeite ich an mehreren Projekten. In einem Projekt geht geht es beispielsweise um Leadership survival in post-conflict countries; wieso und unter welchen Umständen bleiben post-conflict head of state (Staatsoberhäupter in Nachkriegsländern) an der Macht? Mehr als die Hälfte dieser Staatsoberhäupter schafft es nicht drei Jahre nach Kriegsende an der Macht zu bleiben. Mein Argument basiert einerseits darauf, dass nicht alle Nachrkriegsländer gleich sind. Die Forschung hat zum Beispiel herausgefunden, dass die Nachkriegsstabilität nach klaren Siegen eher gewährleistet ist als nach Friedenserklärungen. Anderseits argumentiere ich, dass die persönliche Erfahrung, die jedes Staatsoberhaupt mit bringt, maßgeblich zur „Überlebenswahrscheinlichkeit“ beiträgt. Ein Staatsoberhaupt kann also zum Beispiel vorherige militärische oder politische Erfahrung gesammelt haben. Ich nehme an, dass das Staatsoberhaupt beim Erwerben der Erfahrungen auch eine Netzwerkstruktur aufgebaut hat, die es unterstützt und ihm beim Machterhalt hilft. Ich argumentiere, dass die unterschiedlichen Nachkriegsszenarien unterschiedliche Erfahrungen benötigen.

In einem anderen Projekt untersuche ich zusammen mit Britt Bolin Frauen in post-conflict politics. Wir fragen uns dabei, warum Frauen in der Nachkriegszeit an der Macht bleiben. Aus der Forschung wissen wir bis jetzt, dass Konflikte wie Bürgerkriege enormes Potential für Frauen bieten, Zugang zu klassisch männerdominierten Berufen oder Positionen zu erlangen. Gründe hierfür sind zum Beispiel, dass Posten frei werden und Frauen so die Möglichkeit erhalten diese — oftmals ursprünglich vornehmlich Männern vorbehaltenen Positionen —übernehmen zu können oder auch müssen. Im europäischen/deutschen Kontext wären die „Trümmerfrauen“ ein Beispiel dafür. Die Forschung hat auch gezeigt, dass Frauen in Nachkriegsländern signifikant häufiger an der Macht sind. Wir wissen allerdings nicht, ob dieser Effekt auch eine langfristige Wirkung hat. Das heißt, wir wissen nicht, wie lange die Frauen an der Macht bleiben oder ob es sich umkehrt und Männer diese Positionen zurückfordern. In unserer Forschung können wir zeigen, dass vor allem eine Frauenquote, d.h. eine institutionelle Regelung, in Nachkriegsländern einen langfristig positiven Effekt auf einen hohen Anteil von Frauen in Kabinetten hat. Um das zu untersuchen haben wir einen weltweiten Datensatz über die Anzahl an Frauen in Kabinetten erstellt, der es uns auch in der Zukunft erlaubt noch disaggregiertere Forschungsfragen zu analysieren.

Außerdem habe ich zwei weitere Projekte, bei denen ich mich intensiver mit internationaler Kooperation und der Beziehung von Staaten zueinander beschäftige. An diesen Projekten arbeite ich zusammen mit Dennis Hammerschmidt. Wir fragen uns zum Beispiel in einem Projekt, ob die zunehmende Präsenz Chinas als Geldgeber von foreign aid [Geld für Entwicklungszusammenarbeit, Anmerkung der Redaktion] zu einer Veränderung in der Staatenbeziehung führt. Ein traditioneller Hauptgeber von foreign aid sind eigentlich die USA; China wird aber als alternativer Förderer immer präsenter. Wir untersuchen die Veränderung der Staatenbeziehungen am Beispiel der Reden in den Vereinten Nationen (UN). Tendenziell erwarten wir, dass Länder Geldgebern von foreign aid gegenüber positiv gestimmt sind. Kommt nun aber China als alternativer Geldgeber auf den Markt, erwarten wir eine Veränderung in der Beziehungsstruktur, die sich durch zunehmende Kritik an den USA äußert. Einen besonderen Fokus legen wir hierbei auf die Nachkriegsländer. Wenn man der Forschung der development traps folgt, kann foreign aid zur Stabilität in diesen Ländern beitragen. Bei development traps wird angenommen, dass diese Länder durch Armut oder Konflikte in ihren Entwicklungsstadien gefangen sind und eine Art „Anschub“, z.B. wirtschaftlich, benötigen, um sich weiterzuentwickeln. Die Forschung hat dazu gezeigt, dass die Stabilität wahrscheinlicher ist, wenn ein Land ökonomisches Wachstum erfährt. Foreign aid wird hierbei als Anschub für die ökonomische Entwicklung angesehen. Um diese Fragen zu beantworten, nutzen wir neueste Methoden in der Textanalyse, um herauszufinden, ob Geberländer negativ oder positiv adressiert werden.

In einem weiteren Projekt untersuchen wir die Kooperation zwischen Autokratien. Aus der Forschung wissen wir, dass Demokratien viel miteinander kooperieren und Autokratien tendenziell eher als unbeliebte Kooperationspartner gelten. Mit Hilfe von Netzwerkanalyse versuchen wir zum einen Kooperationsmuster zwischen Autokratien zu erklären und analysieren auch die daraus entstehenden Effekte auf eine Autokratisierung.

S. G. F.: Das klingt sehr interessant. Sie haben auch am Mannheimer Zentrum für europäische Sozialforschung (MZES) gearbeitet. Könnten Sie uns davon erzählen?

C. M.: Gerne. Ich habe dort dieses Jahr in der Unterabteilung „Data and Methods Unit“ gearbeitet. Der Hauptanteil meiner Arbeit bestand darin, Wissenschaftler*innen bei Problemen mit Daten oder quantitativen Methoden zu unterstützen. Sie konnten uns als Team ansprechen und wir haben daraufhin Hilfe angeboten und Tipps gegeben. Gleichzeitig wurden auch Forscher*innen im Rahmen des Social Science Data Labs eingeladen, Methoden, die sie nutzen, vorzustellen. Da es sich hierbei um innovative Methoden handelt, wollten wir diese einem breiteren Publikum zur Verfügung stellen. Deshalb haben wir den Blog „MZES Methods Bites“ gegründet. Hier posten wir Beiträge mit kleinen „How-to tutorials” — wir haben zum Beispiel Posts zu Textanalyse, Visualisierung von Ergebnissen, Visual inference, oder aber auch zu Webscraping.

S. G. F.: Sie haben viel geforscht. Könnten Sie uns sagen, was Sie an Ihrer Arbeit oder Forschung besonders spannend finden?

C. M.: In meiner Forschung beschäftige ich mich vor allem mit „Nachkriegsstabilität“. Die Forschung hat gezeigt, dass die Hälfte aller Länder, die aus Konflikten kommen, auch oft wieder in den Konflikt zurückfallen. Die Frage ist also: Warum ist das so? Wenn man sich überlegt, dass Bürgerkriege durchschnittlich sieben bis sechszehn Jahre andauern und verheerend sein können, dann zeigt sich die Relevanz dieses Themas. Es ist ein Thema, mit dem wir uns humanitär beschäftigen müssen. Wir müssen uns fragen, was können wir tun, damit diese Länder aus diesem Teufelskreis herauskommen? Das finde ich unglaublich spannend. Neben der thematischen Relevanz meines Themas finde ich die universitäre Arbeit extrem inspirierend, weil man in unterschiedlichen Teams arbeitet und so im (kreativen) Austausch mit anderen Forscher*innen steht. Durch diese Teamarbeit generiert man neue Ideen und man merkt immer wieder, dass man nie auslernt. Ich lerne immer wieder etwas Neues und das ist täglich immer wieder eine neue Herausforderung.

S. G. F.: Ihre Forschung hat dann wichtige praktische Implikationen.

C. M.: Ja, das hoffe ich. Zu wissen, dass meine Forschung Bezüge zur Wirklichkeit hat, hat mich immer motiviert. Ich möchte praxisnahe und relevante Forschung betreiben. Ich finde gerade in meinem Feld die Verbindung von Theorie und Praxis interessant, da dies uns hilft, relevante Fragestellungen mit wissenschaftlich adäquaten Methoden von vielen Seiten zu beleuchten und in den weltpolitischen Kontext zu integrieren. Man verlässt dabei den akademischen Elfenbeinturm und versucht, das zu untersuchen, was die Menschen wirklich direkt betrifft.

S. G. F.: Das ist ein gutes Ziel. Wir kommen dann zu unserer letzten Frage. Sie leiten auch noch einen Verein, der Rationale Altruisten heißt. Was ist das genau?

C. M.: Die Rationalen Altruisten gibt es schon seit 2000 an der Universität Mannheim und wir haben nächstes Jahr unser 20-jähriges Jubiläum. Der Verein dient der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an der sozialwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Mannheim. Ich bin seit 2016 Vorsitzende bei den Rationalen Altruisten. Zusammen mit den anderen Vorstandsmitgliedern und auch unabhängigen Auswahlkomitees treffen wir Entscheidungen zur Förderung von wissenschaftlichen Projekten. Unter wissenschaftlichem Nachwuchs verstehen wir Bachelor- und Masterstudierende sowie Doktoranden. Da es besonders auf Bachelor- oder Masterniveau schwer ist, Fördermöglichkeiten zu finden, schließen wir mit unserer Förderung eine Lückedie wir unter anderem bieten. Dazu gehört zum Beispiel die Finanzierungshilfe von Bachelor- und Masterarbeiten. Hier unterstützen wir Studierende finanziell bei der Bezahlung von Probanden, Experimenten oder auch durch eine Bezuschussung für die Datensatzbeschaffung.

Man kann sich bei uns aber auch auf andere Fördermittel bewerben, wie z.B. travel grants für Konferenzreisen. Dafür schreiben wir zweimal jährlich den Rationale Altruisten Travel Grant aus. Zusätzlich vergeben wir auch Preise, die herausragende Bachelor- und Masterarbeiten in Politik, Soziologie und Psychologie ehren.

S. G. F.: Und warum heißt es „Rationale Altruisten”?

C. M.: Es heißt „rational“, weil an der Universität Mannheim die klassische Rational Choice Theory gelehrt wird. Altruistisch ist der Gegensatz von egoistisch; man gibt, ohne etwas dafür zu verlangen oder einen direkten eigenen Nutzen davon zu haben. Die Kombination der beiden Begriffe „rational“ und „Altruist“ in Rationale Altruisten ist also eigentlich widersprüchlich; das macht es meiner Meinung nach aber gerade interessant. In Kürze kann man sagen, dass die Rationalen Altruisten die Mannheimer Nachwuchswissenschaftler altruistisch fördern.

S. G. F.: Ach so. Das passt dann natürlich. Dann war das unser Interview. Ich danke Ihnen nochmal für das spannende Interview und wir wünschen Ihnen weiterhin alles Gute für die Zukunft.

C. M.: Danke, dass ich teilnehmen durfte.

Dr. Amina Kropp (Universität Mannheim)

„Und die Forschung, das ist ein Traum.“

Ein Interview mit Dr. Amina Kropp geführt von Hanna Weiß.

Das heutige Interview mit Dr. Amina Kropp kommt gleich auch noch mit einem Filmtipp daher, den wir euch damit ihr ihn nicht überseht, gleich zu Beginn geben möchten: Am 30.11.2019 wird „Elja“ im MDR ( für Nachteulen: 01.05 nachts) gezeigt und ihr könnt den Film danach auch noch einige Tage in der Mediathek nachschauen. Was es damit auf sich hat und was das mit Amina Kropp zu tun hat erfahrt ihr im Interview mit ihr.

KROPP

Dr. Amina Kropp ist Akademische Rätin am Romanischen Seminar der Universität Mannheim.  Neben ihrem Forschungs­interesse dem Vulgärlatein, der Entwicklung zu den Romanischen Sprachen sowie der (historischen) Pragmatik, befasst sie sich aktuell mit dem Themenkomplex der „Mehrsprachigkeit“.

Nachdem sie in Heidelberg und Paris (Sorbonne) Romanistik und Latinistik studiert hat, promovierte Amina Kropp in Frebiburg und arbeitete danach als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Heidelberg und München. Seit 2010 ist sie nun in Mannheim angekommen.

So und wieso ist Forschung denn nun ein Traum? Lest hier was Amina Kropp dazu sagt.

Hanna Weiß:  Guten Tag und herzlich Willkommen zu unserer Interview-Reihe zur „Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen“ im Rahmen des einjährigen Jubiläums des WUMAN-Netzwerkes.

Wir sind hier heute bei Frau Amina Kropp und freuen uns sehr hier sein zu dürfen. Vielleicht stellen Sie sich zu Beginn selbst in einigen Sätzen vor.

Amina Kropp: Ich bin akademische Rätin am romanischen Seminar der Universität Mannheim in der Abteilung Sprach- und Medienwissenschaft. Kurz zu meinem Werdegang: ich habe in Heidelberg Latein und Romanistik studiert, und war da auch für ein Jahr in Paris (Sorbonne). 2006 habe ich promoviert, zu einem etwas abseitigen Thema und zwar Fluchtafeln im Vulgärlatein, das ist schwarze Magie in der Antike und Spätantike, was so ein bisschen ein Randgebiet der Romanistik ist und auch eine Brücke zwischen der Latinistik und der Romanistik darstellt. Dann habe ich eine Zeit lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Alten Geschichte in Heidelberg gearbeitet und war für ein Post-Doc-Jahr 2008/2009 in München in einem Sonderforschungsbereich, der auch primär historisch ausgerichtet war. 2010 bin ich dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin am romanischen Seminar nach Mannheim gekommen, seit 2012 akademische Rätin und vertrete hier unsere drei Philologien, diese sind Französisch, Spanisch und Italienisch. Das vertrete ich in der Lehre sehr stark, da ich eingebunden bin von der Einführungsphase – also die Vorlesungen, die wirklich der Einführung der Studierenden in das Thema dienen – bis hin zu den Masterstudiengängen, wo ich sowohl Lehre als auch die Fachstudienberatung für einen Masterstudiengang, nämlich den MaKuWi (Kultur und Wirtschaft), übernehme.

 

H.W.: Und was sind Ihre Forschungsinteressen?

A.K.: Meine Forschungsinteressen lassen sich ja schon etwas an meinem Werdegang ablesen. Also ich habe zum Einen, vor allem am Anfang, eine starke historische Ausrichtung gehabt, vielleicht auch dadurch, dass ich eben Latein studiert habe und meine Promotion dann auch in diesem Bereich gemacht habe. Das heißt, ich interessiere mich für das sogenannte Vulgärlatein, das ist das gesprochene Latein, aus dem sich die romanischen Sprachen entwickelt haben, für die Sprachgeschichte der romanischen Sprachen und speziell auch für das was man Pragmatik nennt, also Pragmalinguistik in einem historischen Kontext. Ich habe mich dann, gerade in Mannheim, da hier der Schwerpunkt Mehrsprachigkeit und Migration ist, ganz stark darauf orientiert und interessiere mich jetzt im Moment für Mehrsprachigkeit und Spracherwerb, ganz speziell auch im Kontext von Migration, aber auch in historischen Kontexten. Das Film-Projekt „Elja“, das im Zusammenhang mit der sogenannten Flüchtlingskrise entstanden ist und für das wir Anfang 2016 vom Regisseur des Filmprojektes, Herrn Kubica von der Filmakademie Ludwigsburg, angefragt wurden, hat dann so beide Interessen zusammengeführt. Das war auch ein Punkt, an dem wir mal an eine größere Öffentlichkeit gehen konnten und das Thema Migration, Sprachbarrieren und Ähnliches in diesem Kontext angeschaut haben. Wir haben dann unser sprachliches Know-how eingebracht und so bei diesem Film mitgewirkt, der wirklich auch sehr schön ist, gerade um zu zeigen, dass Migration und alles was damit zusammenhängt, die ganzen Konfliktpotenziale, einfach eine menschliche Konstante sind. Das war eine tolle Gelegenheit, das Ganze auch in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, zu zeigen, dass unsere Arbeit auch immer noch Anknüpfungspunkte an die Gegenwart hat.

H.W.: Und was sind dann Ihre aktuellen Projekte?

A.K.:  In meinem aktuellen Projekt im Bereich Mehrsprachigkeit und Spracherwerb, geht es genau darum, herkunftsbedingte Mehrsprachigkeit, also das was, vor allem junge, Menschen aus Migrationssituationen an Mehrsprachigkeit mitbringen im Fremdsprachenunterricht zu nutzen. Wichtig ist hier also, dass man bedenkt, dass es tolle Ressourcen gibt, aber eben auch Schwierigkeiten. Das Thema Mehrsprachigkeit muss so ganz besonders behandelt werden. Das Ziel dieser Arbeit ist auch die Professionalisierung von Fremdsprachenlehrkräften (Sekundarstufe) für den konstruktiven Umgang mit herkunftsbedingter Mehrsprachigkeit im schulischen Fremdsprachenunterricht. Hier gibt es auch eine Verbindung zwischen Migrationslinguistik, Herkunftssprachenforschung und Tertiärsprachenerwerb, also Folgefremdsprachen im schulischen Kontext. Dies ist hoch spannend, da es so viele Aspekte miteinander verbindet, da es an der Schnittstelle zwischen Sozio- und Kognitionslinguistik liegt, das heißt, man sich nicht nur anschaut, dass der Kontext wichtig für den Spracherwerb und Spracherhalt ist, sondern man auch schaut, was in den Köpfen der Sprecher passiert. Da gibt es aber auch noch sehr viele blinde Flecken, die man noch beforschen kann. Daneben habe ich auch immer noch den zweiten Fuß in der Historie, da planen wir aktuell mit Herrn Prof. Müller-Lancé, ein Übungsbuch zu Latein für Romanisten.

H.W.: Wieso haben Sie sich dazu entschieden in Ihrem Bereich zu arbeiten?

A.K.:  Die Romanistik ist zum Einen ein unglaublich vielseitiges Gebiet, da kann man von der Historie bis hin zu ganz aktuellen Fragestellungen einfach sehr viel abdecken. Was die Romanistik außerdem auszeichnet, ist, dass sie ein genuin mehrsprachiges Feld ist, man kann bis zu 15 romanischen Sprachen zählen. Das heißt, man hat immer diese Mehrsprachigkeit und Sprachvergleichsaspekte dabei. Des Weiteren ist der Bereich anschlussfähig für ganz aktuelle Fragestellungen, weil die romanischen Sprachen auch einfach die Schulfremdsprachen sind und umgekehrt, es auch sehr viel Migration aus romanisch sprachigen Ländern gibt, also das heißt, man hat immer den doppelten Blick auf die Dinge. Die speziellen Interessen, gerade dieses Historische, das ist eben irgendwie immer mit dabei gewesen. Das Interesse an der Migrationslinguistik und Mehrsprachigkeit hängt auch mit sprachgeographischen Faktoren zusammen. Ich habe selbst Migrationshintergrund und das sind Einblicke, die ich so aus der Binnenperspektive habe, die vielleicht viele Forscher nicht haben, weil sie eben diese Erfahrung nicht gemacht haben. Ich merke das auch immer im Zusammenhang mit meinen Lehrveranstaltungen, die ich natürlich auch sehr stark auf das Thema ausrichte, dass man das auch ganz anders vermitteln kann, dass man die Studierenden ganz anders anspricht und auch ganz andere Resonanz, gerade auch von Menschen mit Migrationshintergrund, zurückbekommt. Das alles deckt also alle meine Interessen, und auch das Sprachbiographische, sehr gut ab.

H.W.:  Und was ist der für Sie spannendste Aspekt an Ihrer Arbeit?

A.K.: Da habe ich auch lange drüber nachgedacht, denn die Arbeit ist so vielseitig, dass es eine ganze Menge spannender Aspekte, auch auf unterschiedlichen Ebenen, gibt. Auch auf der Stelle, auf der ich jetzt bin; da geht es um Forschung, um Lehre, aber tatsächlich auch sehr viel um Management, da ich verschiedene Koordinationsaufgaben habe. Es ist sehr schön zu sehen, wie man innerhalb einer Institution so viel bewegen kann, aber auch so viele Strukturen schaffen und erhalten, und so viel Personalverantwortung übernehmen kann. Das ist ein Aspekt, den ich hochspannend finde. Dann natürlich, das Thema Forschung und Lehre. Hier kann man sich neue Dinge über spannende Argumente aneignen und diese auch an junge Menschen weitergeben. Besonders schön ist, dass man so auch bei ihnen eine Leidenschaft und Enthusiasmus für Themen entfachen kann. Oder auch im Dialog mit Studierenden zu merken, wie viel man selbst von den Studierenden lernen kann. Und dann die Forschung, das ist natürlich ein Traum. Das ist das Thema, das man sich ausgesucht hat, zu dem man auch einen ganz persönlichen Bezug hat, in dem man zum einen kreativ tätig wird, weil man Forschungslücken aufdeckt, man Dinge zusammendenkt und wo man auch seine eigenen Gedanken formulieren kann und diese in den Forschungsdiskurs einbringen kann. Und gerade beim Thema Migration merkt man dann auch stark das mediale Echo, oder wie ich auch schon eben mit dem Film sagte, das sind Dinge, die eben sehr anschlussfähig sind an alles, was aktuell passiert. Das ist etwas, das mich seit meiner Dissertation immer wieder fasziniert hat. Ein Beispiel dafür ist, altes Material mit neuen Theorien auszuleuchten, also Dinge zusammen zu denken, die so vorher vielleicht noch nicht zusammen gedacht waren. Insbesondere also Verbindungen zu ziehen, blinde Flecken aufzudecken und einfach auch mal abseitige Themen aufzuarbeiten und ihnen neue Aspekte zu entlocken. Ich glaube, das ist eine ganz privilegierte Situation, dass wir das so machen dürfen an der Universität in unseren Fächern. Und das ist natürlich einfach das Spannendste und ich glaube, das hat auch einfach sehr viel mit einem selbst, der Forscherpersönlichkeit, zu tun.

H.W.: Sehr spannend. Dann bedanken wir uns noch einmal für das sehr interessante Gespräch und auf Wiedersehen.

A.K. : Vielen Dank auch für die tolle Gelegenheit, auf Wiedersehen.

 

 

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