Backlash auf Augenhöhe begegnen – Workshop mit Mona Salwender (Beitrag von Ira Theresa Maschmann)

Wie gehe ich in eine Verhandlung mit meiner Vorgesetzten, in der ich sowohl mehr Gehalt als auch eine Hilfskraft als Unterstützung heraushandeln will? Wie überzeuge ich in einem Teammeeting von meiner Idee und setze diese durch? Und wie begegne ich diesen Situationen, ohne als Frau an einer rollenbedingten Gradwanderung zu scheitern: entweder bin ich zu nett und nicht durchsetzungsstark, oder zu durchsetzungsstark und nicht nett?
Egal wie ich mich entscheide: Frauen können in verschiedensten alltäglichen Situationen Backlash begegnen, das heißt: Rückschlägen. Eine Bandbreite an Forschung zeigt auf, inwiefern Frauen durch ihre soziale Rolle Rückschläge erfahren, wenn sie sich nicht rollenkonform, also, vereinfacht gesagt, nicht fürsorglich, mitfühlend, hilfsbereit und verständnisvoll, sondern durchsetzungsstark und zielbewusst verhalten. Sei es im Arbeitsleben in einer Gehaltsverhandlung oder wenn in einer Runde Freund:innen entschieden wird, wer sich um ein Geburtstagsgeschenk kümmert. Häufig wäre es leichter, dem immer noch im Bewusstsein vieler verhafteter Bild von einer mütterlichen, sorgenden und niemals Nein-sagenden Frau zu entsprechen und Vorschlägen ohne Verhandlung zuzustimmen. Ansonsten droht die Gefahr eines Rückschlags, beispielsweise, dass man als Frau beispielsweise weniger gemocht wird, weniger befördert oder weniger als Chefin gesehen wird oder negativere Leistungsbeurteilungen und Gehalt bekommt. Dass es gar nicht erst so weit kommen muss, und wie man solchem Backlash auf Augenhöhe begegnet, erarbeitet Mona Salwender in einem vierstündigen, von WUMAN initiierten Workshop mit uns.
Mona Salwender ist aktives WUMAN-Netzwerk Mitglied, promoviert am Lehrstuhl für Sozialpsychologie der Uni Mannheim zum Thema Backlash und hat im letzten Jahr freiberuflich ein neues Entwicklungsprogramm für Frauen erarbeitet, um ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse auch in die Praxis umzusetzen.
Fundiert durch wissenschaftliche Erkenntnisse zeigt sie im Workshop bestehende Geschlechterstereotypien auf, wie diese zu Rückschlägen für Frauen führen können, und was man gegen Backlash tun kann. In vier eigens für den Universitätskontext konzipierten Rollenspielen erarbeiten wir beispielsweise, mit subtiler Dominanz in eine Verhandlung zu gehen und üben, selbstbewusstes Auftreten mit Stimme, Mimik und Gestik zu unterlegen. Auch lernen wir, dass es ein Vorteil sein kann, Verhandlungen im Namen anderer, beispielsweise im Namen des Teams, zu führen und so nicht den eigenen, sondern den globalen Vorteil einer Forderung zu unterstreichen. Verschiedene Aspekte der Gesprächsführung werden herausgearbeitet, und wir üben in Kleingruppen, Ideen zu platzieren, andere Teammitglieder davon zu überzeugen, und auch, mit Unterbrechungen umzugehen und das Gespräch wieder in unsere Richtung zu leiten. Mona betreut jede einzelne dieser Arbeitsgruppen und gibt individuelles Feedback und überträgt dieses auch auf die gesamte Gruppe. Zusätzlich hat stets ein Mitglied der Rollenspiele die Aufgabe, das Geschehen zu beobachten und Feedback zu geben.
Diese doppelte Feedbackschleife durch Mona als auch eine jeweilige Beobachterin im Rollenspiel gibt die Möglichkeit, sich in diesem geschützten Umfeld als starke und zähe Verhandlungspartnerin zu versuchen – und Feedback zu bekommen, dass dieses Verhalten gar nicht als unfreundlich und unangebracht, sondern selbstbewusst und professionell wahrgenommen wird. Ich persönlich habe den hohen Praxisanteil des Workshops sehr geschätzt, da ich die Möglichkeit hatte, in verschiedenen Rollen (mal als Doktorandin, die eine adäquate Bezahlung fordert, oder als Teammitglied, das eine neue Idee und Herangehensweise vorstellt und davon überzeugen will), neue Verhaltensweisen auszutesten. Ich habe mich selbstbewusst und durchsetzungsstark gefühlt und durch das Feedback signalisiert bekommen, dass diese Verhaltensweisen nicht negativ aufgefasst werden. So konnte ich in darauffolgenden Situationen in meinem tatsächlichen Beruf darauf vertrauen, nicht mit negativen Konsequenzen beziehungsweise Rückschlägen rechnen zu müssen, sobald ich mich positioniere. Ich übe weiterhin daran, diese Erkenntnis in mein Verhalten zu übertragen, und muss häufig schmunzeln, wenn mir dies einmal nicht gelingt. Denn auch das hat Mona uns mitgegeben: Veränderung ist ein Prozess und auch wenn es nicht sofort gelingt, das Gelernte in der Praxis umzusetzen, bin ich dankbar für die Impulse, die der Workshop gesetzt hat.
Insgesamt haben sowohl die Konzeption des Workshops als auch Monas aufmerksame Betreuung ihn zu einer bleibenden Lernerfahrung gemacht. Wie beschrieben, konnte ich in dem durch WUMAN bereit gestellten, geschützten Rahmen neue Verhaltensweise ausprobieren und wurde durch Feedback in diesen bestärkt. Auch habe ich erlebt, dass es anderen Teilnehmerinnen genauso ging, wodurch der Workshop zu einer kollektiven Erfahrung von Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen geführt hat. Ich würde den Workshop jederzeit für Frauen in der Wissenschaft oder Wirtschaft empfehlen.
Ira Theresa Maschmann – Teilnehmerin des WUMAN Workshops „Backlash auf Augenhöhe begegnen“ (von Mona Salwender)
Dieser Beitrag stammt vom WUMAN Mitglied Ira Theresa Maschmann. Ira hat 2019 an der Universität zu Köln promoviert. Ihre Forschung beschäftigt sich mit psycholinguistischen Effekten, genauer: dem Einfluss von Sprache auf unser Denken und unsere Wahrnehmung. In diesem Zusammenhang liegt ihr Hauptaugenmerk auf geschlechter-gerechter Sprache.


Ihr möchtet auch eure Erfahrungen mit WUMAN teilen? Dann schreibt uns eine Mail an wuman@wuman.de und los geht's!

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