Prof. Dr. Carmela Aprea (Universität Mannheim)

„Es ist ein Thema, was den Studierenden auch unter den Nägeln brennt, weil es eine hohe Alltagsrelevanz hat.“

Ein Interview mit Professorin Carmela Aprea

Geführt von Hanna Weiß

Prof. Dr. Carmela Aprea ist seit dem Frühjahrssemester 2018 Inhaberin des Lehr­stuhls für Wirtschafts­pädagogik – Design und Evaluation instruktionaler Systeme an der Universität Mannheim. Im WUMAN-Interview spricht sie mit Hanna Weiß über ihre Forschungsinteressen und -schwerpunkte an ihrem Lehrstuhl und zeigt auf wie spannend und anwendbar die Forschung ihrer Arbeitsgruppe ist.

 

Foto Frau Aprea

 

Bevor Carmela Aprea ihren Lehrstuhl an der Universität Mannheim übernommen hat war sie Professorin für Wirtschafts­pädagogik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (04/2015-01/2018) sowie Professorin für Berufsbildungs­forschung am Eidgenössischen Hochschul­institut für Berufsbildung in Lugano (05/2010-02/2015). Neben einer Gastprofessur in Innsbruck arbeitet sie auch international in Forschung und Lehre  (u.a. in Graz und Stockholm).

 

Hanna Weiß: Hallo und guten Tag! Wir sind heute hier bei Frau Professorin Carmela Aprea für die Interviewreihe „Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen“ von WUMAN, um für mehr Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen an der Universität Mannheim zu sorgen. Wir freuen uns, dass wir hier sein dürfen und heißen Sie nochmal herzlich Willkommen. Vielleicht könnten Sie sich zu Beginn einmal in einigen Sätzen kurz selbst vorstellen?

Carmela Aprea: Ja, vielen Dank für die Einladung. Mein Name ist Carmela Aprea, ich bin seit Februar 2018 hier an der Universität Mannheim Professorin für Wirtschaftspädagogik und mein Lehrstuhl heißt „Design und Evaluation instruktionaler Systeme“.

H.W.: Und worin liegen Ihre Forschungsinteressen?

C.A.: Meine Forschungsinteressen liegen vor allem in der ökonomischen Bildung und hier vor allem im Bereich der Finanzbildung, das betrifft alle Fragen, die sich mit den eigenen, privaten Finanzen beschäftigen. Ich interessiere mich nicht nur für Personen, die im Finanzwesen arbeiten, sondern auch für jeden Mann und jede Frau. Zu meinem Forschungsgebiet gehören aber auch Themen, die sich auf gesamtwirtschaftliche und sozialen Prozesse beziehen, , wie zum Beispiel das Wissen darüber, wie das Finanzsystem gesellschaftliche Prozesse beeinflusst.

H.W.: Sehr spannend. Was sind denn aktuelle Projekte, an denen Sie arbeiten und warum finden Sie Ihre Forschung so wichtig?

C.A.: Ein Forschungsprojekt, was ich gerne vorstellen möchte, beschäftigt sich mit der Frage der sozialen Ungleichheit und wie man lernt, über soziale Ungleichheit zu reflektieren und zu argumentieren, jenseits von Fake News oder auch jenseits von Stammtischparolen. Da gibt es eine Reihe von zentralen Themen, die auch Finanzfragen zum Gegenstand haben, zum Beispiel die Frage des bedingungslosen Grundeinkommens oder das Wohnungsproblem. Oder auch Fragen zur Erbschaftssteuer, und inwiefern das gerecht oder nicht gerecht ist bzw. inwiefern da soziale Gleichheit oder soziale Ungleichheit besteht. Dabei interessiert mich auch, wie man das Problem aus ökonomischer Sicht, aus soziologischer Sicht, aus moralischer Sicht oder auch unter Praktikabilitätsgesichtspunkten sehen kann. Das treibt mich um und auch die Frage, wie man lernt, hier gut zu argumentieren. Meine Zielgruppe sind auch Personen, die in lehrenden Berufen tätig sind, das heißt, sie müssen nicht nur lernen selbst zu argumentieren, sondern sie müssen auch lernen, es anderen beizubringen. Dieses Projekt ist ein Teil meiner Forschungsarbeit. Mein Team und ich sind sehr begeistert dabei und ich habe den Eindruck, dass es auch bei Studierenden auf offene Ohren trifft. Es ist ein Thema, was den Studierenden auch unter den Nägeln brennt, weil es eine hohe Alltagsrelevanz hat. Zu zeigen, dass ökonomische Sachverhalte Relevanz für den Alltag haben, ist etwas, was mir an meiner Forschung sehr wichtig ist. Wenn jemand nicht alle Details der Physik versteht, kann er trotzdem einen Stromschalter benutzen; aber wenn jemand viele Aspekte der Ökonomie nicht versteht, dann kann er zum einen seine eigenen ökonomischen Angelegenheiten schlechter regeln und zum anderen auch als Wähler*in und als politisches Wesen schlechter agieren, weil die Zusammenhänge verstanden werden müssen. Deswegen erachte ich die Forschung als so wichtig.

Ein zweites Projekt, mit dem ich mich befasse, beschäftigt sich mit der langfristigen Finanzentscheidung und hier vor allem mit dem Thema der Altersvorsorge. Ich betrachte dabei zum Beispiel, was Bürgerinnen und Bürger verschiedener Altersgruppen über das Thema der Altersvorsorge und das Rentensystem wissen und wie gut sie die Entscheidungen, die auf sie zukommen werden, verstehen. Dazu gehört dann auch das Verständnis über die Einbettung der Entscheidungen in das gesamte Rentensystem. Vor allem interessiert mich, ob die Bürger*innen verstehen, die von welchen Faktoren die Rente beeinflusst wird. Das hängt auch wieder mit Finanzfragen zusammen.

Das ist eben auch ein Thema, was zentral ist, um eine gewisse Gerechtigkeit zwischen den Generationen herbeizuführen und Generationenkonflikte zu vermeiden. Aber auch hier hat das für den Einzelnen und die Einzelne Relevanz im Alltagsleben. Das mag gerade für jüngere Menschen nicht so offensichtlich sein, wenn sie sich vorstellen müssen, was in 40 Jahren einmal sein wird. Aber gerade in jungen Jahren hat man noch Möglichkeiten an Stellschrauben zu drehen und für das Alter anzusparen. Da die staatliche Sicherung der Rente auch durch den demographischen Wandel geringer werden wird, muss man sich überlegen, wie man das Problem auffängt, damit man im Alter einen guten Lebensstandard weiterverfolgen kann. Da ist es für uns erstmal wichtig, herauszufinden, was die Menschen wissen oder auch eben nicht, um darauf aufbauend entsprechende Lernarrangements in der Universität und an Schulen gestalten zu können und auch Empfehlungen für die Lehrer*innenbildung geben zu können.

H.W.: Das klingt ja alles sehr interessant. Warum finden Sie Ihren Arbeitsalltag denn so spannend?

C.A.: Zum einen macht mir die Arbeit mit den Studierenden und mit meinem Team sehr viel Spaß; zum anderen ist aber auch die thematische Ausrichtung sehr spannend, weil alle Themen eine hohe Relevanz für den Alltag und die aktuellen politischen Diskussionen haben. Weiterhin sind das Themen, bei denen man nie auslernt. Mir macht es sehr viel Freude, ökonomische Grundideen und auch ökonomische Kontroversen aufzugreifen und sie so sichtbar zu machen, dass klar wird, warum sie benötigt werden. Die Herausforderung dabei ist natürlich, dass es komplexe Themen sind, die viel Wissen erfordern, welches nicht immer da sein kann. Aber trotzdem sollte sich jede*r damit soweit auskennen, dass man sich in der Welt, in der man lebt, orientieren kann. So ziemlich jeder Bereich des täglichen Lebens beinhaltet ökonomische Fragen und es lassen sich viele Anknüpfungspunkte finden.

H.W.: Was ist Ihre größte Motivation zur Arbeit zu kommen?

C.A.: Die größte Motivation für mich ist es, jeden Tag mit interessanten Menschen zu tun zu haben und spannende Themen zu behandeln.

H.W.: Dann danke ich für das spannende Gespräch und dass sie an unserem Projekt teilgenommen haben. Wir wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft und für Ihre Projekte.

C.A.: Danke Ihnen auch für das angenehme Gespräch!

 

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